Interview mit Claudia Frey
Was sind die wichtigsten Stationen in Ihrem Leben? Warum?
Meine je einjährigen Aufenthalte in
Paris: 1983 – Heute unfassbar, aber Frankreich war damals wirklich noch Ausland. ich brauchte z.B. noch ein Visum und bin in dem gesamten Jahr, das ich dort verbracht habe, nur einmal - zu Weihnachten - nach Hause gefahren. Telefonieren war teuer und umständlich, Handys und Internet unbekannt. Ich habe viele Briefe geschrieben und bekommen und mich ansonsten sehr stark auf die französische Kultur eingelassen.
Brasilien: 1990 - ich habe an einer südbrasilianischen Universität ein Forschungsprojekt durchgeführt und in einer Psychiatrie hospitiert, beides beeindruckende Erfahrungen. Noch heute fühle ich mich wie Zuhause, wenn ich in Brasilien lande oder auch, wenn jemand portugiesisch spricht.
Ostsachsen: 1991 – noch ohne direkte Telefonleitungen und ausgebaute Autobahnen. Damals habe ich gewitzelt, dass man von hier aus (Süddeutschland) halb so lange nach New York braucht (6 Stunden Flugzeit ab Frankfurt) wie nach Görlitz (12 Stunden auf löchrigen Autobahnen und teils Feldwegen - Riesenstaus um Dresden und andrenorts inklusive).
Die Erfahrung, dass die eigenen Werte, Prägungen und Vorstellungen von der Welt in einer anderen Umgebung, einer anderen Kultur, nicht unbedingt gelten, hat mich tief beeindruckt und mir klar gemacht, wie mächtig unsere gedanklichen Konzepte sind. Sehr stark hat mich aber auch der frühe und überraschende Tod meines Vaters beeinflusst. Er war gesund, gesundheitsbewußt und sportlich - und ist dennoch mit 49 Jahren gestorben. Das Leben ist kurz und es ist nicht gut, Wichtiges immer wieder aufzuschieben, das habe ich u.a. daraus gelernt.
Was ist Ihnen in Ihrer Arbeit besonders wichtig? Was zeichnet Ihre Arbeit aus?
Es gibt Bereiche in unserem Leben, die wir nicht beeinflussen können, z.B. in welches Elternhaus wir geboren wurden oder welche Gene wir erwischt haben. Was wir aus diesen Rahmenbedingungen machen, hängt zum größten Teil von uns ab. Aber: Oft sind wir durch früh geprägte innere Muster und alte Wunden blockiert und können viele Möglichkeiten nicht ausschöpfen. Mir ist es in meiner Arbeit besonders wichtig, solche Blockaden aus dem Weg zu räumen. Dann ist oft viel mehr möglich, als man je gedacht hat.
Was sind Ihre Leitwerte?
Freiheit und Respekt. Bei beidem ist es mir wichtig, es anderen zu gewähren und es selbst zu beanspruchen.
Wo sehen Sie das stärkste Entwicklungspotenzial für Kunden durch Coaching?
Darin, die eigenen Ängste und Gefühle der Unzulänglichkeit zu überwinden. Mutiger zu werden, der eigenen Intuition zu vertrauen.
Was war Ihr größter Misserfolg bisher?
Wie definiert man Misserfolg? Meistens wurde im Nachhinein deutlich, was für ein Glück es war, dass irgendwas nicht so gelaufen ist, wie ich es ursprünglich geplant hatte.
Als Coach bin ich Katalysator, Wegweiser, Inspiration. Aber den Weg kann ich nicht für Sie gehen.